Die „Ehestandskarte“

kipperkarten-3Nicht immer zeigt die „Ehestandskarte“ eine Heirat an – eigentlich ist das nur ganz selten der Fall. Doch was bedeutet diese Karte dann? Um sie zu verstehen, muss man sich über die geschichtlichen Hintergründe der Kipperkarten im Klaren sein.

So war eine Eheschließung im 19. Jahrhundert – also zu jener Zeit, als diese Karten entstanden – alles andere als einfach, denn sie war nahezu unbezahlbar. Aus alten Kirchenunterlagen aus Bremen geht beispielsweise hervor, dass eine Trauung 300 Taler kostete. Für die meisten Menschen war dieser Betrag ein Vermögen. Sie mussten entweder jahrelang darauf sparen oder eine Familiengrünung verzichten. Gleichzeitig aber kam der gesellschaftliche Druck hinzu, denn explizit alleinstehende Frauen galten wenig – sie waren auf die Gnade ihrer Verwandschaft angewiesen, wo sie hoffen konnten, als unverheiratete Hausangestellte unterzukommen. Ledige Männer hingegen hatten es einfacher; zwar galt der „Hagestolz“ (ein damaliges Synonym für den männlichen Single) ebenfalls als merkwürdiger Zeitgenosse, doch er hatte zumindest die Möglichkeit, einem Beruf nachzugehen.
Einmal verheiratet, galt die Ehe als verpflichtend. Scheidungen waren vor 150 Jahren noch ein Tabu und rechtlich nur bei Untreue der Frau möglich. Für Männer galt das auch, allerdings nur dann wenn sie sich der Untreue „im eigenen Haus schuldig“ gemacht hatten (!).

Vergegenwärtigt man sich diese Auflagen, wird schnell klar: eine Ehe war damals mehr als einfach nur eine Heirat. Sie war eine Garantie für gesellschaftliche Anerkennung und für Versorgung. Dementsprechend facettenreich ist auch die Karte Nr. 3 „Ehestandskarte“. Es geht hier also um Verbindungen aller Art: Zwischenmenschlich, vertraglich, gesellschaftlich, sozial… So steht sie in Fragen nach Liebe und Beziehung für einen Zusammenschluss (aber noch nicht für die Ehe) und das Gefühl, angenommen zu sein. Auf der beruflichen Ebene kann sie Verträge und Fusionen anzeigen, aber auch interessante und nützliche Kontakte.

Die „Ehestandskarte“ wird häufig mit der Karte Nr. 4 „Zusammenkunft“ verwechselt; manche Deutende haben auch Schwierigkeiten, den  Unterschied zur Karte Nr. 15 „Guter Ausgang in der Liebe“ genau festzustellen. Deshalb an dieser Selle die Unterschiede: So beschreibt die „Ehestandkarte“ alle verbindlichen und eher persönlichen Treffen (auch wenn es sich nur um das erste Rendevous handeln sollte, aus dem eventuell noch nichts Festes wird), während die Karte Nr. 4 „Zusammenkunft“ ein bisschen „unpersönlicher“ ist: sie steht für alle Veranstaltungen sowie die sozialen Kontakte bzw. für das Umfeld im allgemeinen. Bei der Karte Nr. 15 „Guter Ausgang in der Liebe“ stehen die Emotionen im Vordergrund. Auch versinnbildlicht sie noch mehr Treue und Verbindlichkeit als die „Ehestandskarte“.

Natürlich gibt es auch Karten, die das genaue Gegenteil von der „Ehstandskarte“ verkörpern. Dazu gehört beispielsweise die Karte Nr. 19 „Ein Todesfall“. Während die „Ehestandskarte“ für alle Zusammenschlüsse, manchmal auch für das erste Kennenlernen steht, symbolisiert der „Todesfall“ Auflösung und Trennung.

Auch die Karte Nr. 29 „Gefängnis“ gehört zu den gegensätzlichen Karten: So kann  die Nr. 3 „Ehestandkarte“ für eine offizielle Verbindung oder einen Zusammenschluss beziehungsweise ein lang ersehntes Treffen stehen, während das „Gefängnis“  Hemmnisse und Verbote, gelegentlich auch eine heimliche Verbindung (je nach Fragethema und umliegenden Karten) oder die Isolation anzeigt.

Falls Ihnen das Thema gefällt oder Sie noch tiefer in die Materie einsteigen wollen, dann ist vielleicht auch mein Buch für Sie interessant: „Kipper-Orakel  – Ein Kursus im Kartenlegen“ ist im April 2012 bei Königsfurt-Urania erschienen. Es ist sowohl im Buchhandel als auc online oder bei mir signiert erhältlich. Gerne beanworte ich noch weitere Fragen dazu.